Alleine Laufen

Ich mag es, auch mal alleine zu laufen. Wenn die Gedanken einfach so vor sich hin denken und man nichts zu tun braucht, als einen Fuß vor den anderen zu setzen und zu atmen. Nicht reden, nicht fotografieren…

Glücklicherweise ist es nun wieder etwas wärmer geworden, so dass man sich in diesem August noch nicht komplett winterlich anziehen muss. 17° ist eine schöne Temperatur zum Laufen.

Da meine Laufpartnerinnen verhindert sind und ich sehr darauf brenne, meine neu angekommenen Ultralight Calf Sleeves auszuprobieren, sollen es heute 10 km am Deich werden. Wie immer zunächst gegen den Wind, damit der Rückweg leichter fällt.

Heute beginnen hier die Jade Airport Days und es ist großräumig abgesperrt. Käme der Wind aus der anderen Richtung, würde mein Plan nicht aufgehen. Denn Richtung Norden hat die Feuerwehr den kompletten Deich gesperrt, den Weg vor dem Deich und sogar den auf der „nassen“ Seite. Damit bloß niemand Flugzeuge guckt, ohne dafür zu bezahlen. Oder niemand bei den Kunstflügen zu Schaden kommt, wenn einer der Flieger abstürzt. Wer weiß?

Ist mir egal, ich sage freundlich „Moin“ und laufe in die andere Richtung.

Vorbei an einer schmalen, älteren Dame, die einen unkastrierten Kampfhundrüden am Geschirr führt, der mich mit den Augen fixiert. Sie geht schon extra auf die Wiese. Ob sie ihrem Hund und ihrer eigenen Kraft auch nicht traut?

In Gedanken greife ich schon zu meinem Reizgasspray, das ich immer dann zum Laufen mitnehme, wenn ich alleine bin.

 

Zubehör zum alleine Laufen

 

Ich nehme auch immer ein Handy mit, wenn ich alleine laufe. Nicht unbedingt das große und schwere Smartphone – das zum Fotografieren leider mit muss – sondern mein Mini-Handy, das ich extra zum Laufen gekauft habe. Es ist so klein und leicht, dass man es in alle Taschen stecken kann und es dort nicht stört.

Wenn man in eine komische Situation kommt oder es einem plötzlich nicht mehr so gut geht, kann man damit Hilfe anrufen. Zwei Mal habe ich auf diese Weise schon ein „Taxi“ gerufen, als mir unterwegs wärme- oder krankheitsbedingt die Kraft ausging.

Doch alles geht gut, ich laufe einfach an dem Hund vorbei, Frauchen kann ihn festhalten. Warum muss man sich in dem Alter eine solche Kampfmaschine zulegen und ihn dann auch noch an einem Geschirr festmachen? Ist mir unerklärlich.

Weiter geht’s an anderen Hunden und deren Herrchen/Frauchen vorbei. Moin. Moin. Man kennt sich hier im Gassi-Paradies.

Dann kommt der Teil der Strecke, an dem ich früher öfters verzweifelt bin. 1,8 Kilometer geht es hier nur geradeaus bis zu meinem persönlichen „Wendepunkt“. Fast keine Abwechslung, keine bekannten Gassigeher, nur gelegentlich ein Radfahrer.

Hier kann man Gelassenheit trainieren und die Möglichkeit, seine Aufmerksamkeit nur auf ein kleines Stück vor einem zu lenken. So, wie im richtigen Leben. Wenn es mal gerade nicht so rund läuft, dann nur an die nächste Aktion oder die nächste halbe Stunde denken.

 

ohne Ablenkung fast 2 kilometer geradeaus

 

Da der Wind bei uns an der Küste öfters recht kräftig bläst, kam ich an dieser Stelle schon ein paar Mal an meine persönliche Grenze. Heute ist alles fein, die Temperatur stimmt und ich habe „Zauberbeine“, die von alleine laufen. Hätte ich nicht gedacht, dass die Ultralight Calf Sleeves noch angenehmer sind, als meine sonst immer getragenen „normalen“.

Nach dem 5-km-Wendepunkt geht es noch ein winziges Stückchen weiter geradeaus, dann um eine kleine Biegung und dahinter schlängelt sich der Weg wieder etwas abwechslungsreicher. Heute tragen mich meine Beine über den Wendepunkt hinaus, noch 1,5 km weiter, bevor ich umdrehe.

Ein älterer Herr walkt hier mit Stöcken, nur die Schafe schauen zu.

 

alleine Laufen

 

Auf dem Rückweg ist das 1,8 km lange grade Stück meist nicht mehr ganz so schlimm, wie auf dem Hinweg. Denn es geht ja nach Hause ;-))

Hier baue ich dann ein paar kleine schnellere Elemente ein, um meine Geschwindigkeit zu trainieren. Dadurch geht dieser Teil der Strecke auch relativ unterhaltsam vorbei.

Dann komme ich wieder nach einer kleinen Biegung auf den belebteren Teil der Strecke. Hier nutze ich gerne die Deichtreppen für eine kleine Übung. Flitze sie hoch, als wäre der Teufel hinter mir her. Oben angekommen freue ich mich über den schönen Rückenwind. Und laufe wider auf die Feuerwehr zu, die in Warnwesten gekleidet den Deich sperren.

Ja, die Warnwesten. Immer wieder gerne gesehen, führen sie in der Mensch- als auch in der Tierwelt häufiger zu Verwechslungen. Als Mensch verwechselt man einen BMW-Motorradfahrer auf der Straße gerne mal mit einem Straßenbauarbeiter, da beide die gleiche Kleidung tragen. Und der Fuchs, der in Rekordzeit aus dem Naturschutzgebiet über den Deich rennt und Schutz im Feld sucht, verwechselt die Feuerwehr mit den doofen Jägern, die hier gelegentlich ihr Unwesen treiben. Und meint, je weiter weg er davon ist, umso besser für sein Wohlergehen. Alles nur, wegen der Warnwesten…

Die letzten beiden Kilometer. Wie nett, der freundliche ältere Herr im Garten stoppt extra seinen Hochdruckreiniger, damit ich nicht nass werde. So ist es, wenn man auf dem Dorf lebt.

Dann über die Bahnschranken und ab nach Hause.

13 Kilometer stehen auf der Uhr und ich freue mich. So weit wollte ich heute eigentlich nicht laufen. Aber mit den „Zauberbeinen“ …

 

Ultralight Calf Sleeves machen Zauberbeine