Craft Women`s Run 2016

Nicht, dass wir nicht auch mit Männern laufen würden. Aber anders als bei den üblichen Laufveranstaltungen ist die Atmosphäre bei reinen Frauenläufen anders, fröhlicher, entspannter, mit mehr drumherum. Nur sehr wenigen Teilnehmerinnen scheint es um die Leistung zu gehen, viel mehr einfach um den Spaß zusammen mit Freundinnen. Und – so zumindest mein Eindruck – ist das Wetter auch besser. In diesem Punkt kann mich irren, mein letzter Frauenlauf liegt schon 13 Jahre zurück.

Irgendwann in diesem Frühjahr, als mich die Lauflust umtrieb, stieß ich im Internet auf die Ankündigung des Women`s Run, der für mehrere große Städte ausgeschrieben war. Für mich am besten zu erreichen: Hamburg.

Schon beim Betrachten der Webseite „Dein perfekter Tag unter Freundinnen“ machte sich eine so große Vorfreude in mir breit, dass ich mich schnellstens hinters Telefon klemmte, um meine liebsten Laufkameradinnen zu motivieren.

Arbeits- und krankheitsbedingte anderweitige Pläne sowie die Geschlechterbeschränkung führten dazu, dass ich nur meine langjährigste Lauffreundin (Mama) mit anmelden durfte.

Was ich schon bei der Anmeldung toll fand, dass man gleich ein wunderschönes T-Shirt extra bestellen konnte und auch einen Startnummernhalter mit praktischer Tasche. Schon seit die Baumwollshirts durch Funktionsfasern abgelöst wurden, bringe ich es nicht mehr übers Herz, Startnummern mit Sicherheitsnadeln an den Shirts zu befestigen.

Auf jeden Fall hat die Lieferung der beiden schönen Dinge die Vorfreude auf den 02. Juli noch deutlich erhöht. Und gut, dass ich uns schon so früh angemeldet hatte, denn irgendwann las ich auf der Webseite vom Women`s Run, dass alle Startplätze in Hamburg vergeben waren.

Am 2. Juli brach ich schon um 09:00 Uhr auf, um meine Mama aufgabelnd weiter nach Hamburg zu fahren. Dort waren wir mit meiner Schwester verabredet, die so nett war, den Park-and-ride-service sowie den Fotografenjob für uns zu übernehmen.

Als sie uns an der Otto-Wels-Straße am Hamburger Stadtpark raus setzte, gelangten wir ohne Umwege in den Veranstaltungsbereich. Zunächst hieß es, die Startnummernausgabe zu finden und anschließend unser Motto-Laufshirt „Streckenkönigin“ abzuholen.

Ein Meer von brombeerfarbenen Streckenköniginnen bei schönstem Sonnenschein – vorhergesagt war eigentlich Hamburger Regen – wogte zwischen den verschiedenen Zelten und Stationen. Was für ein Bild. Leider war unsere Fotografin noch mit dem anderen Teil ihres Jobs – dem Parken – beschäftigt, so dass es von diesem schönen Eindruck leider kein Bild gibt.

Zurück zu unserem Vorhaben, erst die Startnummern- und anschließend die Shirtausgabe zu finden. Noch hatten wir keinen Lageplan. Den gab es erst zusammen mit den Startnummern.

Doch weil wir Mädchen sind, können wir einfach nach dem Weg fragen. Die erste vorbei schlendernde Streckenkönigin angesprochen und schon wussten wir, wo es langgeht.

Alles super organisiert. Das muss man an dieser Stelle mal lobend erwähnen.

In der Woche zuvor hatten wir per Email unsere Startnummern mitgeteilt bekommen. Am Startnummernausgabezelt waren oben die Startnummernbereiche angegeben, in welcher „Schlange“ man sich anstellen sollte. Glücklicherweise gabs bei uns dieses längliche Kriechtier nicht, so dass wir unverzüglich unsere Umschläge mit den Startunterlagen ausgehändigt bekamen, zusammen mit einem Lächeln und einem „ich wünsche Euch viel Spaß“.

Dann zur T-Shirt-Ausgabe, die professionellerdings Ausgabebereiche für T-Shirt-Größen abgeteilt hatte. Shirt entgegengenommen, einmal kurz übergeworfen um zu sehen, ob es passt und schon waren wir mit allem ausgestattet, was wir so brauchten, um den Start antreten zu dürfen.

 

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Das Wichtigste – ein bisschen schäme ich mich, das hier so öffentlich zuzugeben – war der Gutschein für den Finisher-Beutel. Dieser wurde sicher in der Seitentasche meines Laufrocks verwahrt, noch vor dem Überstreifen des Laufshirts und dem Antackern unserer Startnummern.

Da klingelte auch schon das Handy und meine Schwester war bereit, ihren Fotografenjob aufzunehmen.

Zunächst heißt es jedoch, zu versuchen, meine Startnummer mit den erstmals ausprobierten Startnummernmagneten gerade auf einer Höhe zu befestigen, die es zulässt, das Shirt in den Rock zu stecken. Gar nicht so einfach.

Wir bummeln durchs Women`s Village und ich konnte natürlich nicht umhin, mir ein brombeerfarbenes Andenken an diesen wunderschönen Tag zu kaufen.

Eine „Powerfrau“-Schirmmütze braucht man quasi ja immer. Und reduziert war sie auch, da komm ich einfach nicht dran vorbei.

 

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Es gab so viel fürs Auge, dass wir uns nur langsam dem Startbereich nähern konnten.

Denn der vorletzte wichtige Teil der Teilnahme an einem öffentlichen Lauf ist das Finden des Startbereiches. Und der – möglicherweise wichtigste überhaupt – ist das Wissen um den Standort von Dixi-City. Daran waren wir jedoch auf unserem Weg zur Startnummernausgabe schon vorbeigekommen.

Das Bild, das sich uns jetzt bot, war noch brombeeriger, als vorher, da sich die Teilnehmerinnen hier schon ihrer Rucksäcke, Jacken und so weiter entledigt hatten und im kompletten Laufdress auf das Warmup warteten.

Aufgrund der immensen Lautstärke in diesem Bereich – liebe Veranstalter, muss der Regler denn so weit aufgedreht werden? – verzogen wir uns hinter das nächstgelegene Zelt. Leider war die Lautstärke auch hier nur schwer zu ertragen. Aber wahrscheinlich sind wir nur Spaßbremsen und alle anderen haben es genossen. Oder hatten Ohrenstöpsel.

Ein Blick auf die Uhr sagt, es wird Zeit, vor dem Start noch einmal die Waschräume aufzusuchen. Gesagt, getan.

Dann Richtung Startaufstellung.

 

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Der Moderator klärte uns darüber auf, dass 90% Regenwahrscheinlichkeit vorhergesagt wurde und freute sich mit uns, dass die Sonne schien.

Und natürlich hatten wir unsere Regenjacken abgegeben.

Der Start, wie immer bei großen Veranstaltungen, zog sich etwas in die Länge. Zumindest, wenn man weiter hinten steht. Also erst mal im Gedränge Richtung Start gehen, bis man so ganz langsam ins Laufen kommt.

Am Start ein kurzer Druck auf die Laufuhr und dann konnte ich ungestört meinem Lieblingshobby nachgehen. Läufer gucken. Also in diesem Fall natürlich Läuferinnen.

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Vor Lachen fast verschluckt hatte ich mich, als linksseitig ein Mann im Streckenkönigin-Shirt im Wald stand und seine Königin lauthals anfeuerte.

Mama hatte etwas zu kämpfen, da man im Sog der anderen Läufer gerne dazu neigt, die Strecke etwas zu schnell anzugehen. Sie war nicht in Plauderlaune, so dass ich dazu überging, meine Beobachtungen für mich zu behalten. So viele verschiedene Läuferinnen, so viele unterschiedliche Laufstile.

Armführung, Fußaufsatz, Laufhaltung, Outfit, es gab so unendlich viel zu sehen.

Im breiten brombeerfarbigen Strom, vor uns im Bogen nach links, bis zwischen den Bäumen verschwindend, hinter uns dort, von wo aus wir vorhin rechts eingebogen waren, neben- und hintereinander laufend brombeerige Streckenköniginnen, so weit das Auge reicht. Fühlt sich so ein Lavastrom? Ich fand es auf jeden Fall gigantisch.

Dann ein weiteres Highlight, mit dem ich nicht gerechnet hatte, die Sambatrommelgruppe, deren Motivationsschub mit dem einsetzenden Platzregen glücklich zusammentraf. Na ja, offensichtlich ist das Wetter bei Frauenläufen doch nicht anders, als sonst….

Links der Stadtparksee, rechts die Sambagruppe und von oben der Regen. Frisur adé. Es tropft von überall her. Wirklich kalt wird es nicht.

Glücklicherweise erreichen wir einen Bereich des Stadtparks, in dem die Bäume ein recht dichtes Dach bilden, so dass wir zwar nass werden, nicht aber völlig durchweichen.

Links der Rosengarten, vor uns drei pinke Perücken, an uns vorbei eine Streckenkönigin im vollen Ornat mit Krone und pinkem, wehenden Umhang. Dazu passend links auf der Wiese eine Truppe von Rittern – sehe ich richtig oder habe ich Halluzinationen – die mit irgendwas beschäftigt scheinen. In Rüstung mit Schwertern und Schilden.

Egal. Weiter im Bogen über eine schöne Holzbrücke. Die ein oder andere Streckenkönigin macht ein kleines Gehpäuschen und die frisch entstandenen matschigen Pfützen bedürfen etwas Aufmerksamkeit.

 

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Da Mama noch immer nicht besonders gesprächig ist, beschränke ich mich darauf, ihr gelegentlich etwas Motivation zu geben: Du hast schon dreieinhalb Kilometer hinter Dir. Der letzte Kilometer. Schau, da links ist schon das Ziel. Den Bogen noch und dann hast Du es geschafft.

Im Ziel nach 5 Kilometern durch Hamburgs wunderschönen Stadtpark bei Hamburgwetter.

 

angekommen im Ziel des Women´s Run

Geschafft aber glücklich, die Frisur vom Regen etwas ruiniert, im Kopf nur noch ein Gedanke: Unsere Finisher-Beutel.

 

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Da waren sie, die Ziele unserer Träume…. Der Inhalt: Naja….

 

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Doch unser persönliches Service-Paket ging noch weiter. Zu meiner Schwester nach Hause, eine warme Dusche, lecker Kaffee und Kuchen und dann noch auf die letzte Sekunde zur S-Bahn gebracht.

Für mich hat der Tag das Motto voll erfüllt: Ein Tag unter Freundinnen.

 

Karte Women`s Run Hamburg Stadtpark

Women`s Run Hamburg, vielen Dank!

Wir kommen im nächsten Jahr wieder, und dann hoffentlich vollzählig.

 

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