[DIY] Deo ohne Aluminium

Ein Bericht über Aluminium – Akte Aluminium –  im Fernsehen hat mich nachdenklich gestimmt.

Nicht nur, dass ich nun weiß, wer für die unzähligen wäscheresistenten gelben Flecken unter den Ärmeln meiner weißen Blusen verantwortlich ist, fühlt sich die Verwendung von herkömmlichen Deos jetzt irgendwie falsch an.

Also mache ich mich auf die Suche nach einer aluminiumfreien Alternative. Kaufe das eine oder andere Produkt und bin von deren Wirkung enttäuscht. Bzw. von deren Wirkungslosigkeit. Oder deren kaum wahrnehmbaren Wirksamkeitsspanne.

Ich bemühe die große Suchmaschine und stoße auf Hinweise, dass auch die Verwendung aluminiumfreier handelsüblicher Deos der Gesundheit schaden kann. Wegen der Inhaltsstoffe: „Inhaltsstoffe auf Mineralölbasis, synthetische Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe, Treibgase (in Deosprays) – all diese Stoffe sind mehr oder minder gesundheitlich bedenklich. Das potenzielle Krankheitsspektrum reicht von Allergien bis hin zu Krebs und Erbgutschäden“ lese ich beispielsweise bei utopia.

Also kein Deo. Und eine Wäscheklammer für die Nase. Die stört aber beim Atmen. Und beim Laufen. Verhindert das Tragen einer Sonnenbrille, was wiederum zu Erkrankungen der Augen führen kann. Ganz abgesehen von der Optik. Da hilft auch nicht die Frisur vom Starfrisör…

Kein Deo ist wohl auch keine Lösung. Außer für die Einsamen. Die Einsiedler.

Wenn Du Dein Leben danach eingerichtet hast, dass Du Dein Einkommen durch abhängige Arbeit in Anwesenheit Dritter erzielst und irgendwie auch nicht ganz alleine in Deiner Wohnung lebst, scheidet dieser völlige Verzicht möglicherweise auch aus.

Die große Suchmaschine führt mich nach der Eingabe „aluminiumfreies Deo“ über bezahlte Werbeanzeigen mit den Versprechungen „Nie mehr Körpergeruch“ über „hochwirksame Formel“ und „zuverlässige Frische jeden Tag“ zu der Idee, mein Deo im Handumdrehen ;-)) selbst zu machen. Nur aus gesunden Inhaltsstoffen natürlich. Und hochwirksam gegen den unliebsamen Geruch. Ohne gelbe Flecken im Hemd.

Ich finde ein einfaches Rezept, das mir sehr zusagt:

Grundsubstanz: 100 ml Wasser in einem Topf erhitzen, 1-2 Teelöffel Speisestärke unterrühren. Kurz aufkochen lassen. Bei Bedarf mehr Stärke hinzugeben.

Wirkstoff: Beim Abkühlen zwei Teelöffel Natron einrühren.

Duft- und Wirkstoff: 5 Tropfen ätherisches Öl hineintropfen und umrühren.

Gefäß: Das Ganze in einen leeren Deoroller füllen.

Da ich weder über einen leeren Deoroller, noch über entsprechendes ätherisches Öl verfüge, gehe ich in die Apotheke und frage nach, ob sie mir dort ein aluminiumfreies wirksames Deo anmischen können. Können sie leider nicht.

Ich zeige der netten Apothekerin das Rezept und sie beginnt, mir zu erklären, dass das Problem schon dort beginnen würde, dass es keine apothekenzertifizierte Stärke gäbe. Sie schenkt (!) mir jedoch ätherisches Öl und zwei leere Deoroller.

Damit ausstaffiert und voller Tatendrang begebe ich mich in die Küche, um dort festzustellen, dass schon der Beginn, also das Anrühren der Grundsubstanz, meine Fähigkeiten übersteigt. Ich bekomme es auch nach mehreren Anläufen nicht hin, eine Konsistenz zu erkochen, die sich in einen leeren Deoroller füllen ließe, geschweige denn, sich von dort aus jemals wieder mittels Kunststoffkugel auftragen lassen würde.

Hat der „In-Die-Welt-Setzer“ dieses Rezeptes und die hunderten, die es abgeschrieben haben, jemals nach dieser Anleitung Deo hergestellt? Oder bin ich zu doof, 1-2 Teelöffel Speisestärke in 100 ml Wasser einzurühren und aufzukochen? Bevor ich beginnen kann, mir Sorgen um meine Kochkünste zu machen, kommt mir eine Idee: Ich rühre alles so, wie beschrieben, zusammen und fülle die Masse einfach in ein leeres Marmeladenglas mit großer Öffnung. Nicht schön, aber selten. Kann man mittels eines kleinen Löffels herausnehmen und mit den Fingern unter den Achseln verreiben.

 

Deo ohne Aluminium, selbstgemacht und wirksam

 

So, wie es im Badezimmer steht, wirkt es irgendwie komisch. Was egal ist, denn es steht nicht lange dort. Es – bzw. das Soda darin – macht nämlich wunderhübsch brennenden, großflächigen roten Ausschlag. Irgendwie wirkt es zwar auch gegen Geruch. Aber mit stetigem Gekratze unter den Armen machst Du Dir auch keine Freunde. Ganz egal, ob Du stinkst, oder nicht. Schließlich – so hörte ich kürzlich – ist die Krätze als sehr unangenehme und ansteckende milbenverursachte Hauterkrankung wieder auf dem Vormarsch. Und wer möchte schon im Verdacht stehen, Milben unter den Anwesenden zu verteilen?

Besser stinken? Oder doch lieber an Krebs sterben? Noch mal die Suchmaschine gefragt.

Da wird von einem Wirkstoff „Zinkricinoleate“ geschrieben, einer Verbindung aus Zink und Rizinussäure, die die geruchserzeugenden Verbindungen einfach einschließen soll. Klingt prima. Ist aber in handelsüblichen Deos kaum und wenn ja nur in zu geringer Dosis zu finden. Zumindest zu dem Zeitpunkt, als ich mich damit beschäftigt habe, es kann jetzt natürlich ganz anders sein.

Doch die freundliche Apothekerin kann kein apothekenzertifiziertes Zinkricinoleate beschaffen. Also wieder die Suchmaschine. Von „Ein Molekül killt den Gestank – Bild der Wissenschaft“ über „Keime und Fußgeruch“ gelange ich zu „Zinkricinoleat […] Der Verkauf oder die Lieferung von Zinkricinoleat an Privatverwender ist leider nicht möglich.“

Irgendwie finde ich einen Namen „Odex HT“ heraus. Das weckt Erinnerungen an Jean Pütz, an selbstgemachtes Shampoo und die guten alten Zeiten. Bestelle Odex HT und Alkohol dazu. Nicht den zum Trinken, sondern den kosmetischen. Der ist billiger. Wegen der Steuer.

Rezept: Man braucht irgendwie 1,5 bis 3% Odex HT, abgekochtes Wasser und Alkohol. Und eine Zerstäuberflasche.

Ausprobiert. Super. Wieder angemischt. Super. Noch mal zubereitet. Super. Schon wieder leer. Deshalb nun nachfolgend hier die Schneckenkönigin-Anleitung für aluminfreies und wirksames Deo, ganz einfach selbst hergestellt:

(Blöd. Ich brauche ja Fotos. Und die Spüle ist gerade überhaupt nicht in dem Zustand, der vorzeigbar wäre.)

 

Deo ohne Aluminium

 

Also erst mal die Spüle aufräumen und putzen. Die Aufkleberreste an den Deoflaschen mittels Nagellackentferner abreiben und innen noch mal schön ausspülen. Auswaschen. Heiß auswaschen. Dabei fast den Milchaufschäumer runterwerfen. Der steht da sonst nämlich nicht, sondern auch auf der Spüle…

Die Rückstände von Odex HT sind nicht sehr fotogen.

 

aluminiumfreies Deodorant

 

So kann es aussehen. Derweil wird Wasser im Wasserkocher erhitzt.

Im Rezept steht 1,5 bis 3% Odex HT. Da ich die Aufkleber von den alten Deoflaschen entfernt habe, weiß ich jetzt nicht mehr, wie viel reinpasst. Also erst mal mit Wasser auffüllen und das dann in einen Messbecher umkippen. Prima. Nun sind wieder Wassertropfen in der Deoflasche ;-((

100 Milliliter sind im Messbecher. Da Odex HT sehr, sehr dickflüssig ist, bin ich bislang daran gescheitert, es mittels Pipette oder so abzumessen. Ich wiege es aus. Und nehme zur Sicherheit ca. 4 Gramm. Oder mehr. Viel hilft viel….

 

aluminiumfrei: Deo selbstgemacht

 

4 Gramm Odex HT in die Flasche, nach Wahl mit der Hälfte Alkohol und abgekochtem Wasser auffüllen oder mehr Alkohol und weniger Wasser nehmen. Das brennt ggf. mehr, hält aber (möglicherweise) länger.

 

Deo ohne Alu

 

Nun kommen Schatzi und der Kater in die Küche. Beide haben Hunger. Schatzi macht sich ein Brot mit Lachs und der Kater sucht verzweifelt seinen Napf.

Nur noch mit abgekochtem Wasser auffüllen, schütteln, fertig.

 

wirksames Deo ohne Alu selbst hergestellt

 

Das Deo kommt ins Bad und der Kater-Napf wieder auf die Spüle.

Keiner stinkt mehr und alle sind satt ;-))

P.S.: Vor dem Gebrauch das Schütteln nicht vergessen, der Wirkstoff setzt sich leider etwas ab.

 

 

 

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