GPS Pulsuhr (Teil 1)

Es gibt Dinge, die wurden quasi nur aus Versehen erfunden. Wikipedia nennt das Serendipität. Ich kann dieses Wort noch nicht einmal fehlerfrei aussprechen. Aber die schlauen Leute, die solche Erfindungen machen, die können das.

So wurde Amerika auf der Suche nach Indien entdeckt, Post-its wurden auf der Suche nach dem neuen Superklebstoff erfunden. Und so weiter.

Irgendjemand so schlauem ging es auf den Keks, Laufstrecken anhand von Messtischblättern zu vermessen oder mit so einem komischen „Rädchen am Stiel“ die Strecke entlang zu eiern. Und der dachte sich aus, dass man mit so einem kleinen Ding am Handgelenk quasi ins Weltall schauen kann, um die Laufstrecken – just in Time – zu vermessen und sogar aufzuzeichnen. Mit GPS. Für viel Geld hat man Satelliten (na ja, wohl eher zu anderen Zwecken) in die Erdumlaufbahn geschossen und kann schon ein paar Jahren mit sogenannten Laufuhren mittels Kontakt zu diesen Satelliten seine Position finden und aufzeichnen. Soweit sogut.

Die Anfänge waren etwas mühsam (meine 2-jahre-alte Pulsuhr treibt mich manchmal in den Warte-Wahnsinn, bis sie sich bequemt, das Häkchen für „Satellit gefunden“ zu setzen und ich lostraben kann). Heutzutage gibt es Geräte, die erledigen das ganz flott.

Da man dann aber noch mehr wollte, nämlich zur gelaufenen Strecke auch die Pulsfrequenz aufzeichnen, hat man aus Versehen das beste Folterinstument unserer Neuzeit erfunden: Den Brustgurt. Als Meisterwerk zum Drangsalieren. Ich bin überzeugt, jeder, den Du mit Brustgurt und Sport-BH über den Acker jagst, wird binnen kürzester Zeit was auch immer gestehen, um diese Quälgeister ablegen zu dürfen.

In den zwei Jahren, in denen meine Pulsuhr und ich die Läufe miteinander teilen, haben wir nicht nur unterschiedlich lange auf das Finden der im All kreisenden Satelliten gewartet, sondern auch bereits zwei Brustgurte verschlissen (aktuell verwenden wir Nr. 3). Mit der Zeit fangen sie an, zu scheuern und sich zu vermessen. Das Vermessen tut zumindest nicht weh, das andere schon. Blutig gescheuerte Stellen am Brustkorb sind ;-((

Wie las ich kürzlich so schön in einer führenden Laufzeitschrift? GPS-Uhren ausgenommen haben Sport-BHs das größte Potential.

Potential ist dabei das nette Wort für teilweise Mist.

Dieser Redakteur hat diese beiden Übel jedoch bestimmt selbst noch nicht gemeinsam getestet, denn erst gemeinsam entfalten sie ihre größte Qual. Durch die Kombination von Brustgurt und BH fühlt Frau sich wie in der Eisernen Jungfrau. Also quälend eng mit Scheuerstellen und dazu noch ohne die Möglichkeit, den Brustkorb entspannt zum Atmen zu nutzen.

 

Brustgurt-Galerie

 

Gudrun ist schlau, sie hat ein schönes Plätzchen für ihren Brustgurt gefunden.

Ich bin leider dazu verdonnert, die Strecken aufzuzeichnen, damit sie sich an den Ergebnissen erfreuen kann. Das war anfangs ja auch toll, da ich mich neu verliebt habe. Im Moment weniger toll, da ich mich seit zwei Wochen nach meiner neuen, großen Liebe verzehre….

Meine GPS-Pulsuhr OHNE Brustgurt. Ich liebe sie so sehr….

Leider wird diese Liebe nicht immer erwiedert. Denn so dann und wann weigert sie sich einfach, das Messen des Pulses zu übernehmen. Aber das sollte ja eigentlich ihr Job sein.

Sie ist fantastisch, sieht super aus, findet ultraschnell die Satelliten und könnte sogar – wenn die amerikanischen nicht auffindbar sind – auf die russischen Satelliten ausweichen. Angenehm am Handgelenk mit so einem vitalisierenden Vibrieren, wenn man einen Kilometer geschafft hat. Ich schmelze dahin…

Im Moment weilt sie leider beim Hersteller.

Der mir freundlicherweise viereinhalb Wochen nach meiner Anfrage, ob die nicht zuverlässig funktionierende Pulsmessung ein bekanntes Problem darstellen würde, antwortete, dass die Beantwortung meiner Anfrage derzeit ungewohnt lange dauern würde. Und da sie die Erfahrung gemacht hätten, dass sich viele Anfragen bereits auf anderem Weg gelöst hätten, sollte ich einfach, wenn mein Anliegen weiterhin bestünde – auf die Email antworten.

Gleichzeitig bat man mich um Verständnis. Freundliche Leute arbeiten dort.

Ich hab sie dann einschicken lassen.

Nun bin ich auf dem Sprung, dass irgendwann der erlösende Anruf kommt, dass meine reparierte Pulsuhr auf ihre Abholung wartet… Hat das Telefon eben geklingelt?

Warte…… nein, hab mich geirrt. Das war der Kater mit seinem Spielzeug.

Gerne hätte ich mich zwischenzeitlich mit einem Foto meiner großen Liebe getröstet, aber, was weg ist, fotografiert sich nicht so gut.

Wie las ich kürzlich so schön in einer führenden Laufzeitschrift? GPS-Uhren ausgenommen haben Sport-BHs das größte Potential.

Potential ist dabei das nette Wort für teilweise Mist.

Hinterher ist man immer schlauer.

 

 

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