Laufen mit dem Außenminister

„Mit dem Außenminister Joschka Fischer um den Werdersee“ war einer meiner ganz besonderen Läufe.

Eines schönen Sommers fand Mama im Weser-Kurier einen kleinen Zeitungsartikel, dass am Mittwoch, den 07. August (2002) um 16:00 Uhr, Lauffreudige mit Joschka Fischer (damals Außenminister der Grünen) um den Werdersee (in Bremen) traben könnten.

„Aus Sicherheitsgründen besteht das Bundeskriminalamt allerdings auf einer Anmeldung aller Mitläufer bis zum 2. August…“ stand dort noch.

Das konnten wir uns nicht entgehen lassen. Also schnell angemeldet. Zusätzlich zu der oben erwähnten Anmeldung waren wir aufgefordert, unseren Ausweis zum Lauf mitzubringen. Bis heute der einzige meiner Läufe mit dieser Auflage.

Joschka Fischer war ja damals eher ein etwas unangepasster Politiker. Der in einem Interview zugab, in jüngeren Jahren auch schon als Demonstrant gegen Polizisten vorgegangen zu sein. Er hatte während seiner Politikerkarriere stark zugenommen und dann durchs Laufen wieder Form angenommen und später den New York Marathon in einer recht passablen Zeit absolviert (aus meiner persönlichen Erinnerung, keine Gewähr für Richtigkeit).

Es war schon spannend, Joschka einmal live zu erleben, wenn auch gut abgeschirmt von mindestens sechs sehr fitten, sehr böse dreinblickenden Sicherheitsleuten. An eine gut durchtrainierte Beamtin mit blondem Zopf in hellblau kann ich mich noch gut erinnern.

Um in den abgesperrten Bereich zu kommen, mussten wir uns ausweisen. Ich reichte beide Ausweise, den von Mama und den von mir der Sicherheitskraft. Diese blickte uns an und fragte: „Wer von Ihnen ist jetzt wer?“

Um diese Situationskomik zu verstehen, muss man wissen, dass wir uns so überhaupt nicht ähnlich sehen, heute nicht und damals schon gar nicht. Was soll das bitteschön für eine Sicherheitskraft sein, die nicht in der Lage ist, zwei unterschiedlich aussehenden Personen mit 30 Jahren Altersunterschied ihren Ausweisen zuzuordnen?

Zu keinem anderen Zeitpunkt habe ich einen so leeren Werdersee erlebt. Alle Wege dorthin waren durch die Polizei großzügig gesperrt. Überall „Werdertaxis“ (damals waren Polizeiautos noch so grün, wie Werder Bremen) und Beamte.

War ein schönes Laufen dort. Keine laut klingelnden Radfahrer, keine Gruppen betrunkener Rumhänger, keine Spaziergänger mit Hunden, Hand- oder Einkaufswagen. Freie Strecke, gut beschützt.

 

mit 250 Bremern und Joschka Fischer 10km um den Werdersee
mit 250 Bremern und Joschka Fischer 10km um den Werdersee

 

 

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