Laufen mit grippalem Infekt?

Ich fühle mich betrogen. Vom Leben. Und überhaupt. Es heißt immer so schön, als Sportler bekommst Du nur die Hälfte der grippalen Infekte und wenn, dann dauern sie nur halb so lange. Und als regelmäßiger Saunagänger ist man ohnehin immun. Gegen alles.

Pustekuchen!

Sylvester fängt die Nase an zu laufen. Hatschi. Montag Morgen bin ich nur noch am husten und schnupfen. Das geht zwei Tage mit den üblichen „Day“ Medikamenten einigermaßen gut, bis ich die Segel streiche und den Arbeitsplatz gegen das heimische Sofa tausche.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit, leichtes Fieber und diese dämliche Schlappheit (Grippegefühl), die einfach nicht von mir weichen wollen. Offenbar gefällt es den Viren gut in mir ;-((

Da liegt man jetzt so malade rum und kann nichts machen. Warten. Die Zeit irgendwie rumbringen. Viel schlafen. Auf gesunde Ernährung habe ich keinen Appetit. Auch keine Kraft für die Zubereitung.

Das tägliche Highlight ist die Änderung der Liegerichtung auf dem Sofa. Damit der Hals vom Blick auf die Mattscheibe nicht allzu schief wird.

Dann kommt eine Kreislaufschwäche dazu, die die bislang angenommene Sportlichkeit geradezu lächerlich macht. Auf dem Weg ins Bad muss ich mich auf den Boden legen, mir wird schwarz vor Augen. Kalter Schweiß. Wieder ins Bett.

Neuer Versuch in Richtung Küche und Kaffeemaschine: Auf den Boden legen, um ein Umkippen zu verhindern. Der Kreislauf geht in die Knie, mir wird hundeelend. Wieder ins Bett.

Dritter Anlauf, jetzt gleich in gebückter Haltung. Wasser in die Maschine füllen und schnell auf den nächsten Stuhl. Filter und Kaffee kann man schließlich auch im Sitzen befüllen.

War ich nicht irgendwie auf dem Weg nach New York? Irgendwie sportlich? Gesund? Ein Läufer? Aktuell komme ich noch nicht einmal „unfallfrei“ über den Flur.

Ich fühle mich elend, aber nicht kraftlos genug, um nicht mich und den Verlust meiner Form zu bemitleiden. Draußen scheint die Sonne vom eisblauen Himmel. Und ich liege hier drinnen und warte. Bis ich wieder gesund bin. Und wieder laufen darf.

Nasenspray mit abschwellenden Wirkstoffen und ätherischen Ölen ist nun das einzige Medikament, das ich mir „gönne“. Um Schlimmeres zu verhindern, da ich zu Nebenhöhlenentzündung neige, wenn alles zu sehr verstopft ist.

Leider hat ein Freund von mir von diesen abschwellenden Nasensprays ein recht großes Loch in der Nasenscheidewand. Deshalb bin ich diesen Medikamenten gegenüber sehr skeptisch und versuche, das Nasenspray nur so wenig wie nötig und auf keinen Fall länger als eine Woche anzuwenden.

Es hilft aber auch nichts, wenn man nicht schlafen kann, weil man keine Luft bekommt. Dann wird man irgendwie auch nicht gesund.

Auf die Frage, wie lange dieser grippale Infekt mich noch heimsuchen und am Training hindern wird, bekomme ich irgendwie keine richtige Antwort. Kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage. Das stimmt schon mal überhaupt nicht. Dann hätte ich am Freitag schon wieder auf dem Weg der Besserung sein müssen. Bin ich aber nicht.

Unzweifelhaft ist, dass ein grippaler Infekt durch Viren verursacht wird. Viren sind – ebenso wie Kalorien – sehr kleine, hinterhältige Biester, denen daran gelegen ist, uns Menschen zu tyrannisieren. Uns den Spaß zu verderben. Am Leben und überhaupt.

Da so ein grippaler Infekt nicht durch Bakterien verursacht wird, sondern durch Viren, sind Antibiotika übrigens völlig nutzlos. Eher schädlich, weil sie das Immunsystem noch weiter belasten können. Antibiotika wirken ausschließlich auf Bakterien und zwar irgendwann in deren Vermehrungszyklus. Bei der Zellteilung sterben sie dann ab, die Bazillen. So sie nicht mittlerweile resistent geworden sind.

Antibiotika kommen bei einem grippalen Infekt erst ggf. dann zum Einsatz, wenn sich auf den von Viren zerstörten Schleimhäute Bakterien stark vermehrt haben. Wenn man beispielsweise eine Bronchitis hat. Oder eine Mandelentzündung. Erst dann ist der Einsatz von Antibiotika möglicherweise sinnvoll. Vorher nicht. Dennoch geben viele Ärzte Rezepte für Antibiotika heraus, da die Patienten das offensichtlich von ihnen erwarten.

Viren haben in Gegenteil zu Bakterien keinen eigenen Stoffwechsel. Sie vermehren sich nicht selbst, sondern schleusen sich in Körperzellen ein und lassen sich einfach dort von den Körperzellen vermehren. Faul sind sie also auch noch, die Viren. Dabei machen sie die Körperzellen kaputt und hinterlassen ein Meer der Verwüstung.

Wirksame Medikamente gegen Viren sind aktuell noch nicht auf dem Markt. Deshalb muss man die Bekämpfung der Viren dem Immunsystem des Körpers überlassen. Dafür braucht der Körper Kraft und Energie. Und Ruhe.

Ruhe. Schlafen. Ruhe. Mann ist das langweilig. Ruhe. Schlafen. Ruhe. Hust. Schnief. Ich werd‘ verrückt.

Licht am Ende des Tunnels tut sich auf, als Schatzi meint, dass man drei Tage nach Abklingen der Symptome wieder trainieren darf. Also drei Tage gesund und am vierten Tag wieder laufen. Ich erkläre mich am Sonntag kurzerhand für gesund und darf also nach meiner Rechnung am Donnerstag wieder laufen. Jipiiii.

Am Montag auf dem Weg zur Arbeit muss ich einsehen, dass der einzig richtige Ort für mich das Sofa ist und nicht der Schreibtisch. Kleinlaut statte ich dem Doc einen weiteren Besuch ab und begebe mich direkt wieder ins Krankenzimmer. Huste und schniefe, als würde ich dafür bezahlt.

Um den Massen an Schleim beizukommen, besinne ich mich auf eine Empfehlung meiner alten Hausärztin zum Inhalieren:

  • 1-2 TL Salz
  • 1-2 TL Thymian (getrocknetes Kraut aus dem Supermarkt)
  • 1-2 TL Salbei (getrocknetes Kraut aus dem Supermarkt)

in einen großen Teebeutel packen.

 

Inhalieren mit Hausmitteln gegen Atemwegsbeschwerden

 

Den Teebeutel in einen Topf mit Wasser geben und kurz aufkochen.

 

Mittel zum Inhalieren selbst aus Kräutern herstellen

 

Dann den Salz-Kräuter-Sud in das Inhaliergerät füllen und schön inhalieren. Achtung, der Dampf kann sehr heiß sein. Lieber vorsichtig rantasten.

Doch auch das scheint nicht zu helfen, die Schleimhäute sind geschwollen und ich schniefe, was das Zeug hält. Doch abends wird es irgendwie besser und ich brauche den ganzen Tag über kein Nasenspray. Nicht einmal zum Schlafen.

Also wird die Inhalier-Aktion am nächsten Tag gleich noch einmal wiederholt. Auch an diesem Tag brauche ich kein Nasenypray und kann gut schlafen.

Am Donnerstag erkläre ich mich kurzerhand für gesund…. was bedeutet, dass ich am Sonntag wieder laufen darf ;-))

 

Laufen nach grippalem Infekt

 

Sonntag ist es eisig draußen. Die Wege teils überfrohren…

 

Laufen auf gefrohrenen Wegen

 

Das Atmen fällt schwer. Hat irgendwer meine Lunge geschrumpft?

 

Laufen nach grippalem Infekt

 

Sightseeing wird vorgeschoben, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass die Kondition und die Leistungsfähigkeit tüchtig gelitten haben….

Erzählte mir nicht am Freitag ein junger (ebenfalls noch hustender aber nicht laufender) Kerl, dass er sogar zweieinhalb Wochen (mit diesem doofen Virus) krank war? Bin ich vielleicht doch schneller gesund geworden? Wer weiß das schon…

Gudrun ist gesund geblieben.

Werden Sportler doch seltener krank? Und wenn, dann kürzer?

 

 

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