Laufschuhberatung im Fachgeschäft

Leider musste ich mich aufgrund von unbestimmten Kniebeschwerden von meinen Brooks Ravenna verabschieden. Sie sind einfach „auf“. Jetzt geht es darum, ein Nachfolgerpaar zu finden.

 

ausgediente Brooks Ravenna
ausgedient ….

Wie geht man am besten vor, um Laufschuhe zu kaufen? Kauft man Laufschuhe im Internet? Oder doch lieber im Fachgeschäft? Ich werde versuchen, es für mich herauszufinden.

Da ich sowieso gerade in Bremen bin und etwas Zeit habe, gehe ich in das Laufsport-Fachgeschäft der ersten Wahl, in dem ich schon vor vielen, vielen Jahren meine Laufschuhe kaufte.

Der Fachverkäufer und Marathontrainer nimmt sich meiner an. Ich soll die Schuhe ausziehen und die Hosenbeine hoch krempeln. Der Fachmann schaut sich meinen Stand an und sagt: „Du hast eine Tendenz zum Supinieren“. Das haut mich doch etwas um.

Supinieren, für diejenigen, die das Wort noch nicht gehört haben, bedeutet, dass man dazu tendiert, nach außen umzuknicken und sehr auf der äußeren Fußkante läuft.

Hatten nicht alle vorangegangenen Beratungen (auch bei eben diesem Fachmann) eine Tendenz zum Pronieren (nach innen knicken) festgestellt? Da bleibt mir doch echt die Sprache weg.

Der freundliche Berater fragt nach meiner Schuhgröße und holt aus dem Keller ein Paar Laufschuhe von Mizuno, superleicht, überwiegend in orange gehalten (das passt so gar nicht zu meinen Laufoutfits). Ich ziehe sie an und bemerke einen komischen Druck unter den Zehen. Wie so eine Beule. Mit dem Finger auf der Sohle kann ich nichts finden.

Nächstes Paar. Schwarz mit bunter Sohle, Sonderedition, nur dort erhältlich. Da ist zwar kein Knubbel unter den Zehen, aber insgesamt schwimme ich etwas im Schuh.

Drittes Paar. Oh, so eng? Ich frage den Fachmann und er sagt: „In Deiner Größe haben wir die nicht mehr“. Und warum bringt er mir dann ein Paar zu kleine Schuhe? Müssen die dringend weg?

Dann geht er noch mal in den Keller und kommt mit der Aussage: „Letzte Chance“ wieder. Und gibt mir meine Traumschuhe. Tolle Farbe, super Passform. Läuft sich prima. Er sagt: „Auch Sonderedition, gibt es nur bei uns“. Ich laufe draußen auf der Straße, er schaut fachkundig drauf und nickt. Alles fein. Toller Schuh.

Eigentlich hätte ich die Traumschuhe jetzt vor Ort im Fachgeschäft gekauft. Aber ich bin verunsichert bis zum Gehtnichtmehr. Warum soll ich plötzlich zum Supinierer geworden sein? Mein Vertrauen ist irgendwie weg.

Als ich dem Verkäufer sage, dass ich noch drüber nachdenken möchte, versucht er mit einem unfreundlichen Hinweis auf seine tolle Fachberatung mir ein schlechtes Gewissen mit auf den Weg zu geben. Meine freundliche Verabschiedung wird seinerseits nicht mehr erwidert…

Mein zweiter Weg führt mich zu einem Laufsportgeschäft einer deutschlandweiten Kette.

Im Obergeschoss findet die Laufschuhberatung statt, das Laufband ist kaputt. Schuhe aus, Hosenbeine hochkrempeln, Stand prüfen, Beinachsen ansehen, einbeinige Kniebeugen. Der fachkundige Blick des Verkäufers attestiert den „Pronierer“, als der ich bislang galt. Und gibt mir in einer Doppelberatung – parallel zu mir berät er einen etwas übergewichtigen untrainierten Herren, der im nächsten Jahr an einem 24-Stunden-Lauf teilnehmen und gleichzeitig ein Schnäppchen machen möchte – insgesamt 4 Paar Laufschuhe, von denen 3 überhaupt nicht passen (und hässliche Farben haben, wer hat schon ein Outfit in koralle?) und eines mehr so „geht so“.

Ich habe übrigens Laufschuhgröße 39, einen normal breiten Fuß, keine bekannten orthopädischen Fehlstellungen. Da finde ich die Auswahl von drei bzw. vier Paaren in den beiden Laufsport-Fachgeschäften einer Großstadt nicht so ganz überzeugend. Oder ist einfach nur der Zeitpunkt falsch? Ist vielleicht Kollektionswechsel, die Alten müssen weg, bevor die Neuen in die Regale kommen?

Weiterhin versucht der Verkäufer noch, mit Einlegesohlen etwas mehr „Stabilität“ in den Schuh zu bringen und einen Zusatzverkauf zu platzieren. Nach drei Schritten muss die Sohle raus, die verschlimmert den „geht so Schuh“, statt ihn zu verbessern.

Meine Wünsche nach einem farblich einigermaßen passenden Schuh an die beiden männlichen Verkäufer in den Geschäften werden als „irrelevant“ abgetan. Ich finde, dass auch die Optik eine wichtige Rolle spielt. Schließlich habe ich keine Problemfüße. Da könnte ich ja verstehen, dass man zugunsten der Passform auch die scheußlichsten Farben in Kauf nimmt.

Statt fachkundig beraten fühle ich mich irgendwie nicht ernst genommen. Dieses Gefühl verstärkt sich, als ich dann zu Hause den Traumschuh (für Supinierer) googele und feststelle, dass es sich um einen Neutralschuh mit einer ganz leichten Pronationsstütze handelt, den es übrigens auch anderswo gibt ….

Am Samstag sind wir in Oldenburg. Dort fragen wir nach Startnummernmagneten. Der Fachverkäufer in einem Laufsport-Fachgeschäft sagt: „Die haben wir nicht. Nur ein Startnummernband. Das ist genauso gut“.

Warum meint der freundliche Herr, mich bevormunden zu müssen? Ich hatte nicht nach seinem Rat zur Startnummernbefestigung, sondern expressis verbis nach Startnummernmagneten gefragt. Die kann man nämlich a.) auch weiter oben als in Lendenschurzhöhe befestigen und b.) auch verwenden, wenn man keine Löcher in die Startnummern machen darf. c.) Darüber hinaus kollidiert die Startnummer dann nicht mit dem Laufgürtel, in dem das Handy zu Fotozwecken verstaut ist. Von „genauso gut“ also keine Spur.

 

Startnummernbefestigung mittels Startnummerngürtel bzw. Magneten
Startnummernbefestigung

 

Die Beratung im Laufsportfachgeschäft hat sich irgendwie nicht bewährt. Schade.

Wahrscheinlich müsste man nach Hamburg, Berlin oder Süddeutschland fahren, und ein sehr, sehr großes Fachgeschäft aufsuchen, um etwas mehr Auswahl zu haben?

Der nächste Weg geht ins Internet….