Sprint-Training

Nachdem wir uns aufgrund Gudruns Spätdienst am Montag wieder mal morgens um 07:00 Uhr in Wilhelmshaven zum Laufen getroffen hatten – ich finde es immer noch gewöhnungsbedürftig früh – war die nächste Laufverabredung für Mittwoch Nachmittag. Gudrun hatte sich eine neue Strecke ausgedacht, von der sie mir nur verraten hatte, dass es viel am Wasser entlang gehen sollte.

Als ich dann nachmittags mit meinen beiden Hundis am Deich so richtig in den Regen geriet, der bei uns die besondere Eigenschaft hat, quer zu fliegen und einen auf diese Weise wunderbar komplett zu erreichen, war meine Lust auf Wasser für diesen Tag bereits gestillt.

So änderten wir unsere Pläne und verabredeten uns für einen Lauf um den Sander See. Da gibt es zwar auch Wasser, aber rings herum ziemlich viele Bäume, die einem den Wind und den Regen etwas abhalten.

Es regnete jedoch keinen Tropfen mehr an diesem Tag. Egal.

Da mein neuer pinkfarbener Laufrock endlich angekommen war, brannte ich darauf, ihn auszuprobieren. Was passt gut dazu? Ich habe zwei Arten von Laufröcken, welche mit kurzer Innenhose (für den Sommer) und welche, die keine Innenhose haben und deshalb mit allen Lauftights kombiniert werden können. Der „Neue“ hat keine Innenhose. Also nehme ich dazu eine schwarze ¾ Tights.

Und welche Kompressions-Beinlinge? Da meine pinkfarbenen einen anderen Farbton haben, als der Laufrock, entschließe ich mich für die schwarzen mit pink.

Da Schatzi (der gerade vorbeikommt) das zu dunkel findet, ziehe ich einen pinkfarbenen Calf Sleeve an. Und bleibe einfach so, eine Seite schwarz, die andere pink.

Gudrun kommt und wir fahren an den Sander See. Beim Loslaufen behauptet Gudrun, sie hätte Bleibeine, rennt aber, als wäre der Teufel hinter ihr her. Über irgendwas scheint sie sich geärgert zu haben… Ein Blick auf meine GPS-Pulsuhr zeigt mir sofort, dass wir viel zu schnell unterwegs sind (deshalb das Gefühl der Bleibeine). Ich versuche, sie zu bremsen, der Erfolg ist leider nur mäßig.

 

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Wie man auf den Bildern sieht, war die Kombination Laufrock und drüber lose fallendes Oberteil weniger optimal…. Eigentlich ist der Rock viel länger…

 

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Nach 5 km ändern wir die Laufrichtung und laufen zurück. Was Gudrun ziemlich komisch findet, da der See einen knapp 2 km langen Rundkurs hat. Dann verlassen wir den See und laufen ein Stück am Kanal entlang, der sehr ruhig in Richtung Nordsee fließt.

Dann laufen wir an einer Herde Mutterkühe mit Kälbern vorbei. Die sieht man bei uns in der letzten Zeit häufiger. Möglicherweise hängt das mit dem aktuell schändlich niedrigen Milchpreis zusammen, dass die Kälber endlich mal natürlich aufwachsen dürfen und nicht sofort von ihren Müttern getrennt und in Einzelhaft mit Milchpulver großgezogen werden.

 

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So langsam rächt sich der zu schnelle Lauf zu Beginn unserer Runden. Ich sehe deutlich, wie Gudrun zu kämpfen hat. Aber aufgeben… ? Oder zugeben, dass man nicht mehr kann…? Nicht Gudrun. Zähne zusammenbeißen und durch.

Wir laufen weiter, unter der Autobahn durch und treffen auf einen vorbildlich angeleinten Bluthund, dem der Sabber auf beiden Seiten aus der Schnauze hängt. Igitt, wenn der sich in der Wohnung schüttelt…

Da der Weg hier nicht weiterzugehen scheint drehen wir um und laufen zurück Richtung Parkplatz. Da fragt Gudrun, ob das Absicht sei. Was meinst Du? Na Deine Beine…. Lustig, da läuft sie bis dahin achteinhalb Kilometer neben mir her und merkt nicht, dass ich ein pinkfarbenes und ein schwarzes Bein habe?

Kurz vor dem Parkplatz fragt sie: „Und?“ Die vollständige Frage würde lauten: „wie weit sind wir schon gelaufen“? Aufgrund des zu schnellen Loslaufens und der Streckenlänge ist jedoch nur noch Luft für Kurzfragen.

„Am Auto wohl so 8,8“ lautet meine Antwort.
„Die neun schaffen wir“ kommt von Gudrun.

Wir laufen also am Auto vorbei bis zum nächsten Schild, drehen dort um und laufen zurück in Richtung Auto. Bei 9 auf der Uhr halten wir an.

Da kommt ein Jogger mit einem großen Hund. Gudrun sagt: „Da läuft einer mit seinem Kalb“, meint es eher scherzhaft, und sieht in diesem Moment, dass dort wirklich ein Kalb läuft.

 

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Der feine Herr macht sich aus dem Staub. Ihm ist wohl egal, was mit dem kleinen herrenlosen Kälbchen auf der Straße in Autobahnnähe passiert.

Obwohl wir unser Laufpensum für heute schon absolviert haben, setzen wir uns wieder in Bewegung, das Kalb Richtung Bauernhof zu treiben. Immer, wenn es außer Sichtweite gerät, ist noch Kraft für einen Sprint drin. So kommt ein ungleiches Trio auf den Bauernhof. Ein kleines Kalb (vielleicht zwei Wochen alt) und zwei bunte Vögel (wir).

Hier treffen wir auf einen Landwirt, der in einem löchrigen, viel zu großen Overall mit der Situation überfordert scheint und nicht mal ein „Dankeschön“ über seine Lippen bringt.

Dankesagen scheint ebenso aus der Mode gekommen zu sein, wie sich um andere (Lebewesen) zu kümmern.

Wir kommen nicht darüber hinweg, dass der Jogger so einfach weiterlaufen kann, ohne sich darum zu kümmern, was aus dem kleinen Kalb wird. Dass es nicht auf die Straße gehört, sollte ihm schon irgendwie klar gewesen sein…

Aufgrund unseres ungeplanten Schlusssprints verzichten wir auf das eigentlich noch geplante Barfußlaufen im Sand und fahren in Richtung Sauna, ausspannen ist angesagt….

 

 

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