Sternschnuppe

Jetzt ist es so weit: Wenn ich morgens um 06:00 Uhr zu Hause loslaufe, ist es dunkel wie im Bärenpopo. Wenn ich eine halbe Stunde später loslaufe, ist es draußen zwar schon hell, das Bad aber besetzt, wenn ich nach Hause komme. Im Endeffekt ist das auch nicht besser, zumindest nicht für mein Arbeitsumfeld. Die Kollegen würde das ziemlich nerven, glaube ich.

Und nachmittags ist es in diesen Tagen zum Laufen einfach zu heiß. Komischer September…

Da hilft alles nix, da muss ich durch. Der 2. Oktober ruft. Wie gut, dass ich im Sommer schon eine neue Stirnlampe zum Laufen gekauft hatte, in freundlichem Mädchen-Pink.

Die macht tatsächlich genügend hell, ohne auf der Stirn rumzuwobbeln (die Batterien sind am Hinterkopf und stören dort auch nicht).

 

Laufen im Lichtschein der Stirnlampe

 

Die Beleuchtung ist auch wirklich nötig, da das Stück des Schotterweges, der nach diesem Stück hier kommt, voller Schlaglöcher ist.

Doch vor diesem Stück Schotterweg laufe ich die neue Bahnüberführung, die noch nicht für den Autoverkehr geöffnet ist. Deshalb ist es hier menschenleer. Nicht gerade, was ich mir so alleine wünsche.

Einsam und dunkel. Und Gudrun liegt gemütlich zu Hause im Bett…

Tatsächlich ist sie schon wegen ihrer Schmerzen lange auf, aber das weiß ich in diesem Moment natürlich nicht.

So tröste ich mich mit dem Anblick meines schönen, rosafarbenen Leuchtis am Schuh und halte mich an meinem Pfefferspray fest.

 

gute Sichtbarkeit ist für Läufer im Dunkeln wichtig

 

Nach dem letzten gruseligen Stück (das mit den Schlaglöchern im Schotter) geht es an den Deich, da wird es schon etwas heller.

 

im Osten geht die Sonne auf

 

Damit ich nicht so einsam bin, schicke ich das Bild gleich an Gudrun, damit sie mich bedauert, dass ich hier alleine im Dunkeln laufen muss.

Nach 5 km heißt es umdrehen und zurücklaufen. Es ist schon ziemlich hell und oben auf dem Deich ist es herrlich.

 

keine Sternschnuppe, hier ein Flugzeug

 

Das muss ich gleich an Gudrun schicken, damit sie keine Angst mehr um mich haben muss. Doch was bekomme ich von ihr als Antwort um zwanzig vor zehn zurück: „Toll ich platze gleich vor Neid“… Haste Töne?

 

Nicht-Laufen macht unzufrieden

 

Ich grusel mich alleine in der Dunkelheit und sie platzt vor Neid? Hallo, jemand zu Hause…?

Man kann es halt niemandem Recht machen. Am nächsten Morgen stehen die nächsten 10 km auf meinem Plan. Heute ist es noch dunkler.

Als ich aus der Haustür komme, sehe ich beim Nachbarn auf dem Hof einen Igel. Und auf der Bahnüberführung und den einsamen und dunklen Wegen bis zum Deich sehe ich viele weitere Augenpaare (wahrscheinlich Katzen), die leuchtend den Schein meiner Stirnlampe reflektieren.

Es weht ein kalter Ostwind und ich bin froh, dass gestern meine beiden neuen Hals-Schaltücher angekommen sind. Erst jetzt bin ich drauf gekommen, dass ich welche für Kinder bestellen muss, damit sie nicht so weit sind und einfach als heruntergerutschter Ring unten am Hals liegen, sondern schön bis oben den Hals vor dem Wind schützen. Prima Sache.

Heute ist das Farbenspiel am Himmel ganz anders. Doch zunächst sehe ich etwas, das ich noch nie gesehen habe: Eine Sternschnuppe. Gleich was wünschen…..

Dann den doofen Schotter-Loch-Weg und im Sprint hoch auf den Deich.

 

Lichtermeer Wilhelmshaven

 

Gudrun will ja offensichtlich keine Bilder, also dieses Bild an Mama geschickt. Die schläft noch und gruselt sich erst später für mich. Am Horizont sieht man die Lichter von Wilhelmshaven, weiter rechts (außerhalb dieses Bildes) die Lichter von Dangast. Herrlich, doch ich muss auf den Weg achten, hier ist alles voller Grasbüschel.

Auf dem Rückweg ist das Farbspiel komischerweise nicht doller, sondern matter, als vorhin.

 

Morgendämmerung beim Laufen

 

Auch hiervon noch ein Bild zu Mama geschickt….

Dann nach Hause unter die Dusche. Und im Büro ein Foto von meinem Büro gemacht und an Gudrun geschickt. Ist sie auch neidisch, dass ich jetzt arbeiten muss?

Als ich sie nachmittags besuche, hat sie meine Nachricht noch nicht einmal gelesen… Zustände sind das hier…

Ihre Finger sind dick geschwollen und sie hat Schmerzen, die Arme. Wir fahren an den Südstrand und genießen gesalzene Tortilla-Chips mit Dip, schauen auf die Urlauber und lassen die Seele baumeln….

Der Brüller ist aber, als sie mir erzählt (sorry Franky), dass ihr Liebster ihr gesagt hat, dass sie beim Fallen auf die Faust fallen muss, damit sie sich nicht verletzt…..

Wir haben uns das so schön ausgemalt. Im Fallen: „Stop, Moment, ach ja, ich muss eine Faust machen…“ Dann erst weiter fallen.

Und schauen auf die kleinen Fingerknöchel und vermuten, dass wenn man auf die Fingerknöchel fällt, das ganze noch schmerzhafter ist und noch schlechter heilt.

Und nicht nur jede Arm- sondern auch jede Fingerbewegung schmerzt. Auch keine gute Idee ;-((